USA-Expertin: „Trumpismus droht auch hier“

By Redakteur 20. November 2020

Ein „Bericht aus Washington“ mit frischen Informationen für die SPD-Abteilung Schöneberg-City.  Anja Wehler-Schöck, Sprecherin des SPD-Freundeskreises in der US-Bundeshauptstadt, vertrat als Gast in unserer Online-Abteilungssitzung am 17.11. die These, dass die US-Wähler*innen ihre Entscheidung eher ideologisch statt interessenorientiert getroffen hätten. Primär sei nicht Joe Biden zum 46. US-Präsidenten gewählt worden, sondern Amtsinhaber Donald Trump sei abgewählt worden. Die innere Zerrissenheit der USA lässt sich auch daran ablesen, dass Trumps Republikaner die Mehrheit im Senat wohl verteidigt und auch im neuen Repräsentantenhaus Sitze gewonnen haben.

Vorrangig muss Biden nach seinem Amtsantritt die mehrere Billionen Dollar teure Bekämpfung der Corona-Pandemie in Angriff nehmen. Weitere drängende Aufgaben sind die Rückkehr der USA in die Weltgesundheitsorganisation und das Pariser Klimaschutzabkommen. Zudem müssten die Handelskonflikte mit der aufstrebenden Weltmacht China bewältigt werden. Hierzu hat Biden ein progressives „transition team“ zusammengestellt: divers, überparteiich und mit Vertrer*innen aus Gewerkschaften besetzt, was Wehler-Schöck als Sozialdemokratin besonders hoffnungsfroh stimmt.

Ungeachtet seiner Wahlniederlage müsse beobachtet werden, ob Trump 2024 wieder als Kandidat der Republikanischen Partei antritt. Trotz allen Unterschieden zu den USA gelte auch für Deutschland: „Der Trumpismus droht auch hier“, warnt Wehler-Schöck, deren Bericht lebhaft diskutiert wurde.

Volker Warkentin